• Jürgen Grosche

Skispringer wird Bierbrauer

Updated: Feb 2

In Utah gibt es keinen Alkohol? In Utah gibt es sogar Brauereien. Eine davon fällt besonders auf.





Heber Valley, ein ruhiger Wintersportort in Utah, ungefähr eine Stunde von Salt Lake City in den Bergen gelegen, hat so manche Überraschung zu bieten. Zum Beispiel eine Brauerei. Dabei steht der Staat noch heute unter starkem Einfluss der Mormonen, die den Genuss von Alkohol auf ihrer Liste der unerwünschten Handlungen ganz oben stehen haben. Aber die moderne Liberalität macht auch vor den Bergen in den USA nicht Halt.



Und so konnte Clint Jones hier ein neues Leben beginnen. Sein altes hat der 35-Jährige abgeschlossen, eine typische Sportlerkarriere. Der heute 35-Jährige ist vielen Wintersport-Fans auch in Deutschland ein Begriff. Als Skispringer nahm Clint auch an Wettbewerben in Deutschland teil und 2005 bei den Weltmeisterschaften in Oberstdorf. Bei den Junioren-Weltmeisterschaften 2002 in Schonach im Schwarzwald wurde er im Einzelwettbewerb Siebter. 2002 gewann er das Continental Cup-Springen am Bergisel in Innsbruck. Zweimal war er bei Olympischen Winterspielen teil, 2002 in Salt Lake City und 2006 in Turin.



Doch eine Sportlerkarriere endet irgendwann. Danach trainierte Clint noch die Skisprungmannschaft der USA. Irgendwann war es dann Zeit, etwas ganz anderes anzufangen. Wieso dann gerade eine Brauerei in Utah? „Überall, wo ich in der Welt war, haben mich die Biere interessiert“, erzählt der Neu-Brauer. So reifte die Idee, zumal seine Frau, eine Belgierin, ebenfalls Bier mag. Mit seinem Geschäftspartner Greg Poirier gründete er im vergangenen Jahr die Hebervalley Brewing Company im besagten Heber Valley.




Also mitten im Staate, den die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, vor allem als Mormonen bekannt, gegründet hat und in dem sie immer noch großen Einfluss hat. Wieso gerade hier? „It’s a great place“, sagt Clint und meint vor allem die Umgebung: Das Heber Valley liegt inmitten einer Skiregion. Und so bleibt Clint doch noch seiner Leidenschaft verbunden.




Die Brauerei zählt zu den erfolgreichen Beispielen einer neuen Brautradition: Jones und Poirier brauen Craftbeer. Jede Kreation wird selbst zusammengestellt, probiert, getestet und dann an die Gäste ausgeschenkt. Entweder vor Ort in der kleinen Brauerei. Oder die Bier-Fans nehmen das Gebräu frischt abgefüllt mit. Bierdosen verschließen die Brauer persönlich am Automaten. Alles aus einer Hand – das kommt in dem beschaulichen Heber sehr gut an.




Ein Altbier hat Jones zwar nicht im Angebot. Aber das Kölsch, das hat er schätzen gelernt und hat sich daran versucht. Gar nicht mal so schlecht, sagt der Autor, ein weltoffener Düsseldorfer.